Dürfen wir unseren Hund alleine lassen? Tipps gegen die Trennungsangst.

Trennungsangst: Unseren Hund alleine lassen

Wie hörte ich neulich von einem frischgebackenem Hundebesitzer? „Nein, unser Hund muss nicht allein bleiben, es ist immer jemand zu Haus!“

Das ist natürlich wunderbar, aber ein Hundeleben ist lang und in der Lebenssitutation des Rudelführers können sich immer Veränderungen ergeben!

Deshalb ist es sehr wichtig, den Hund an das Alleinsein zu gewöhnen. Zerlegte Möbel und Kissen in Fetzen, zerkratze Türen und erboste Nachbarn. Das ist das Hor­ror­sze­na­rio für Hundebesitzer, deren Hunde es nicht gelernt haben, allein zu bleiben.

Nicht nur Welpen müssen das Alleinsein lernen, auch mit ältern Hunden sollte man regelmäßig das Alleinsein trainieren. Ein unvorbereiteter Hund leidet furchtbar unter der Trennungsangst, wenn sein Frauchen oder Herrchen ihn plötzlich allein lässt.

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Die Sache mit dem Rudel

Wie jeder weiß, ist der Hund von Natur aus ein Rudeltier. Für Hunde ist das Alleinsein total unnatürlich, da er es gewohnt ist, im Rudel zu leben. Jeder Hund wurde bereits einmal in seinem Leben von seinem Rudel getrennt, denn er musste den Verlust seiner Mutter und seiner Geschwister verwinden.

Dann findet er sich in einem neuen (Menschen-) Rudel wieder und hat dadurch bereits in seinem jungen Leben einen nicht einfachen Kampf zu bestehen.

Trennungsangst = Extremangst

Man muss davon ausgehen, dass ein unvorbereitet allein gelassener Welpe, einem extremen Stress ausgesetzt ist. Dies kann eine echte Qual für ihn bedeuten, in Extremfällen sogar bis zur Todesangst führen. Die Folge davon können körperliche und psychische Symptome sein wie z.B. winseln, kläffen, allgemeine Unruhe, jaulen, hecheln….. Dieses alles kann zu unerwünschtem Fehlverhalten des Hundes führen.

Aber auch ein älterer Hund, der bisher das große Glück hatte, immer sein Rudel bzw. Teile des Rudels bei sich zu haben, muss unbedingt an das Alleinsein gewöhnt werden. Wir Menschen wissen, dass es immer zu unvorhergesehenen Situationen kommen kann, die uns zwingen, den Hund kurzzeitig allein zu lassen.

Welpe oder erwachsener Hund müssen aus eigener Erfahrung lernen, dass Frauchen oder Herrchen auf jeden Fall zu ihm zurück kommen.

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In kleinen Schritten zum großen Erfolg

Grundvoraussetzung für das erfolgreiche Training des Alleinseins sind Geduld, Ruhe und liebevolle Konsequenz. In ganz kleinen Schritten nähern wir uns dem Ziel, unseren Hund alleine zu lassen.

Prinzipiell sind die Übungungen für Welpe und erwachsenem Hund identisch. Jedoch ist es durchaus möglich, dass der erwachsene Hund etwas länger braucht. Sollte es sich um einen Tierheimhund handeln, der evtl. ausgesetzt wurde, könnte es nötig sein, dass Sie sich professionelle Hilfe holen müssen.

So helfen Sie Ihrem Hund, seine Trennungsangst zu bewältigen

Beginnen Sie grundsätzlich mit dem Training nach einer ausgiebigen Gassirunde oder Spielstunde, damit der Hund ein wenig schläfrig ist. Schicken Sie ihn auf seine Decke oder in sein Körbchen und geben Sie ihm einen Kauknochen oder sein Lieblingsspielzeug zur Beschäftigung. Verlassen sie ohne Worte den Raum und schließen Sie die Tür. Verhalten Sie sich bitte leise hinter der Tür, damit der Hund sie nicht hört. Ist ja klar, dass Sie lauschen und neugierig sind.

Kommen Sie nach einigen Minuten wieder ins Zimmer und bringen Sie dem kleinen Kerl eine kleine Hundeüberraschung mit z.B. ein kleines Leckerchen. Das alles bitte ruhig und ohne Hektik oder überschwängliche Begrüßung. Dieses Ritual wird er immer mit dem Alleinsein verbinden.

Die Zeit Ihrer Abwesenheit steigern Sie bitte langsam und vielleicht können Sie kurzzeitig sogar das Haus verlassen, um z.B. zur Mülltonne zu gehen. Und immer wieder beim Zurückkommen dem Hund ein Leckerchen geben.

Wie wir alle wissen, ist nicht jeder Tag gleich. Es kann sein, dass es zu Rückschlägen kommt. Bitte nicht die Geduld verlieren oder gar den Hund strafen!

Sollte der Hund irgendwann der Meinung sein, dass er aber heute nicht allein sein möchte und anfängt zu jaulen, kläffen oder winseln…… immer mit der Ruhe.

Es wird Ihnen sehr schwer fallen und extrem leid tun, aber reagieren Sie keinesfalls auf diese Lautäußerungen. Damit lernt er, dass er Sie nur rufen braucht….. und alles ist aus Bello’s Sicht wieder gut. Für Sie bedeutet das: Alles auf Anfang!

 Gehen Sie erst dann wieder in den Raum, wenn er ruhig ist.

Bitte bedenken Sie, dass ein Welpe oder Junghund und vor allen Dingen auch ein alter Hund nicht über Gebühr allein gelassen werden darf. Wenn die Geschäfte drücken und er keine Möglichkeit hat, wird er notgedrungen die Wohnung beschmutzen. Darunter leiden Hunde, denn sie sind keine Nestbeschmutzer.

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Unsere eigene  Erfahrung

Aus eigener Erfahrung hier eine kleine Schilderung, wie ein Jung-Goldie, der das stundenweise Alleinsein in der Wohnung kannte, an eine besondere Situation gewöhnt wurde.

Zur Situation:

Unser Goldie liebte das Autofahren, besonders gern den Aufenthalt im Wohnmobil. Es geschah ja etwas Aufregendes! Am Ziel angekommen, gab es immer etwas Spannendes und Neues zu entdecken. Selbstverständlich hatten wir ihn bis dahin nie allein im Wohnmobil gelassen!

Es wurde jedoch notwendig, ihn für max. 2 Stunden allein zu lassen. Alternativ wäre nur eine Hundepension infrage gekommen. Das hätten wir auch getan, falls das wochenlange Training nicht geklappt hätte.

Täglich wurde nun eine Spritztour in die nähere Umgebung gemacht. Wohnmobil abgestellt und eine lange Gassirunde, sogar mit so manchem Badespass, unternommen.

Anschließend nach dem o.a. Prinzip war das Ausruhen mit Kauknochen angesagt. Anfangs hatten wir direkt am Wohnmobil (natürlich für ihn außer Sicht- und Hörweite) gestanden. Als alles ruhig blieb, in etwas weiterer Entfernung gewartet und die Zeiträume immer verlängert. Bei der Gelegenheit hatte ich Zeit, ein spannendes Buch zu lesen.

So haben wir das Alleinsein im Wohnmobil, wohlgemerkt im Herbst bei kühlen Temperaturen, geübt. Als der Termin näherrückte, auf den wir hingearbeitet haben, hat alles wunderbar geklappt. Ein klein wenig hatten wir natürlich ein schlechtes Gewissen. Wir hatten das Wohnmobil auf einem sehr schönen Campingplatz abgestellt. Der Platzwart war informiert, verfügte natürlich über einen Schlüssel und unsere Handynummer und versprach, regelmäßig einen Kontrollgang zu unternehmen. Er meinte anschließend, so einen wohlerzogenen Hund habe er noch nie erlebt.

Seitens unseres Goldies war kein Mucks zu hören, er hatte seelig und süß geschlafen – keine Spur von Trennungsangst.

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