Kampfhunde und die geistigen Merkmale ihrer Besitzer
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In Deutschland veröffentlicht ein Teil der Medien gerne Berichte über menschliches Unglück und reduzieren diese auf Einschaltquoten- und Auflagensteigerung.
In der Presse tut sich diesbezüglich seit Jahren ein bekanntes Massenblatt besonders hervor und verkauft Schlagzeilen, Sensationen, Klatschgeschichten und Getratsch. Die Primitivjournalisten dieses Blattes bemächtigen sich natürlich auch solcher Ereignisse, die sich mit sog. „Kampfhunden“ in Verbindung bringen lassen.

Keine Kampfhunderasse

Man möchte ihnen als Hundekenner manches Mal zurufen, dass es keine Hunderasse gibt, die „Kampfhunde“ heißt.
Und denkt sich dann, dass jedes Land die Presse hat, die es verdient und bezahlt.

Der Charakter macht das Verhalten. Der des Hundebesitzers.

Bei etwas mehr Sachkenntnis und gutem Willen würde man bekannte Studien zurate ziehen, die teilweise schon älter sind als 20 Jahre. Die stellen einen Zusammenhang zwischen dem Charakter einer Person und einer ganz bestimmten Hunderasse her, die sie höchstwahrscheinlich auswählen und mit der sie glücklich sein wird.

Die Daten aus dieser Studie bildeten die Grundlage für das Buch „Why We Love the Dogs We Do.“
(Why We Love the Dogs We Do: How to Find the Dog that Matches Your Personality,
Buch von Stanley Coren)

Kampfhunde

Bösartige Hunderassen? Oder abartige Hundebesitzer?

Psychologen beschlossen darauf hin, sich speziell mit den Persönlichkeitsmerkmalen von Hundehaltern zu befassen, die Hunderassen mit einem hohen Aggressionsrisiko (Kampfhunde, eigentlich Listenhunde) wählen.
Solche Hunderassen werden oft als „bösartig“ bezeichnet.
Die Definitionen eines bösartigen Hundes sind von Ort zu Ort unterschiedlich. Die meisten Tierschutzverordnungen definieren einen Hund als „bösartig“, wenn er ohne Provokation einen Menschen angreift oder ein Tier tötet oder verstümmelt hat.
Wenn der Hund einer Rasse angehört, die eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine solche Aggression aufweist, wird er ebenfalls als „bösartig“ eingestuft.
Darüber hinaus können einige Rassen, nämlich Pit Bulls, einfach aufgrund ihres Rufes als „bösartige Hunde“ eingestuft werden, nicht aber, weil sich ein bestimmter Hund auf negativ Weise verhalten hätte.

Die Rassen oder Arten von Hunden, die am häufigsten als Tiere mit hohem Aggressionsrisiko (Kampfhunde) identifiziert werden, sind

  • Akita,
  • Chow Chow,
  • Dobermann Pinscher,
  • Pit Bull (normalerweise Staffordshire Bull Terrier, American Pit Bull Terrier und American Staffordshire Terrier),
  • Cane Corso
  • Rottweiler und
  • Wolf-hybride.

Im Jahr 2006 leitete Jaclyn Barnes ein Team von Forschern in Cincinnati, das sich mit dem Verhalten von Besitzern mit hohem Risiko für Aggressionshunderassen beschäftigte. Insbesondere sammelten sie Daten vom Hamilton County Clerk of Courts in Ohio, der nach Beweisen für strafrechtliche Verurteilungen suchte.

Insgesamt 166 Besitzer von Hochrisikohunden wurden mit 189 Besitzern von Hunden mit geringem Risiko verglichen.
Die risikoreichen Hundebesitzer hatten fast zehnmal mehr strafrechtliche Verurteilungen als andere Hundebesitzer. Bei der Analyse der Daten nach Kategorien des kriminellen Verhaltens fanden sie heraus, dass Hundebesitzer mit hohem Risiko

6 bis 8 Mal häufiger wegen eines aggressiven Verbrechens verurteilt wurden,

2 bis 8 Mal häufiger ein Verbrechen mit Kindern begangen haben,

2 bis 4 Mal häufiger häusliche Gewalt begangen haben und

5 bis 4-mal häufiger eine alkoholbedingte Verurteilung im Vergleich zu Hundebesitzern mit niedrigem Risiko haben.

Kriminelle Verhaltensweisen werden meist mit bestimmten Persönlichkeitsmustern in Verbindung gebracht.
Deshalb war es alternativlos, dass die Forscher im nächsten Schritt feststellen wollten, ob der Besitz von Hunderassen, die als hohes Aggressionsrisiko galten, auch mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen verbunden ist.

Tatsächlich hat ein Forscherteam um die Psychologin Laurie Ragatz eine Studie im Journal of Forensic Sciences veröffentlicht.

In der West Virginia-Studie wurden Daten von 869 Studenten erhoben, die einen anonymen Online-Fragebogen ausfüllten.
Man fragte sie nach der Art des Hundes, den sie besaßen, nach ihrer Vorgeschichte und nach ihrer Einstellung zu Tiermisshandlungen.

Darüber hinaus hat sie einige Persönlichkeitsmessungen vorgenommen, und überprüft, ob psychopathischen Tendenzen erkennbar waren. Es ist lediglich eine vergleichende Studie, aber die Ergebnisse sind bedenklich.

Die neue Studie scheint die frühere Studie durch das Cincinnati-Team zu bestätigen:

Kriminelle Subjekte oder harmlose Mitbürger?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Besitzer von risikoreichen Hunderassen zu gewalttätigem, kriminellen Verhalten tendierten, war vergleichsweise hoch.

Verglichen wurden Hundehalter sowohl von großen als auch von kleinen Rassen und Menschen, die keine Hunde besaßen.

Bei der Gruppe der Hochrisikohundezucht wurde ebenfalls festgestellt, dass sie im Vergleich zu allen anderen Teilnehmergruppen mehr Merkmale von kriminellem Verhalten aufwiesen (d.h. Gewalt, Eigentum, Drogen).

Die Erkenntnisse, die diese Studie liefert, bietet Einsichten in die Persönlichkeitsmerkmale der Hochrisikohundehalter.
Im Allgemeinen wiesen Besitzer von Hochrisikohundezüchtungen deutliche Neigungen zu sensationssuchendem und riskantem Verhalten auf. Als Gruppe waren sie leichtsinniger, egoistischer und hatten stärkere manipulative Tendenzen. Sie schienen auch mehr selbstzerstörerisches Verhalten zu zeigen als die Hundehalter mit geringem Risiko.

Ein letzter beunruhigender Befund deutet darauf hin, dass Besitzer von aggressiven Hunden nicht so stark mit ihren Hunden verbunden zu sein schienen, wie die Besitzer von den anderen Gruppen. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der Tatsache, dass sie die Misshandlung von Tieren eher akzeptierten als die Besitzer von Hunden mit geringem Risiko.

Nicht alle über einen Kamm scheren

Kampfhund

Wie oben schon erwähnt, ist dies nur eine vergleichende Studie, so dass man aus ihr nicht schließen kann, dass alle Besitzer eines Risikohundes die negativen Persönlichkeitsmerkmale aufweisen.
Nehmen wir zum Beispiel Helen Keller, die taubblinde Fürsprecherin für Behinderte, die auch einen Akita besaß. Walt Disney, Sigmund Freud und die Schauspielerin Uma Thurman besaßen alle Chow Chows, während der Komiker Mel Brooks einen Staffordshire Bull Terrier besaß. Keine dieser Personen scheint kriminelle Tendenzen oder psychopathologische Persönlichkeitsmerkmale zu zeigen.
Dennoch ist es interessant, dass ein höherer Prozentsatz von Menschen mit bestimmten negativen Verhaltens- und Persönlichkeitsmerkmalen dahin tendiert, Kampfhunderassen zu besitzen, die ein höheres Aggressionspotential haben.

Kampfhunde: Fazit

Viele Halter benutzen ihr Tier, um das eigene Ohnmachts-Gefühl zu verdrängen. Sie leihen sich die Kraft ihres Kampfhunds, um sich Respekt zu verschaffen.

Auch das Alter der Halter spielt eine Rolle – meist sind es junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren.

Sie entwachsen der Pubertät, wollen endlich selbst etwas darstellen.
Ob mit einer Waffe, einem Motorrad oder einem Kampfhund, ist zweitrangig.

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